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NEWS AUS OWL

Herford (WB). Teilweise kein Durchkommen gab es am Samstagabend in den kleineren Herforder Kneipen. Die »4. Herforder Nacht« hat mehr als 1300 Besucher in die Innenstadt gelockt.

Die Lokale waren von Anfang an gut gefüllt. Bis allerdings auch auf den Straßen mehr los war, brauchte es seine Zeit. Die Herforder Brauerei hat am Samstag erneut 12 Bands in 12 Lokalen präsentiert. Jeder Musikstil war vertreten.

Viele Besucher schöpften das Prinzip der freien Auswahl aus. Darunter auch die Gruppe um Jürgen Mattern: »Eigentlich ist die Nacht zu kurz. Am liebsten würden wir wirklich einmal alle Lokale abklappern und überall mitfeiern«, hieß aus aus der Gruppe.

Den Gastgebern sprich Wirten wurden die Bands nach deren musikalischen Vorlieben zugeordnet. Einige haben bereits Favoriten, die für ein volles Haus sorgen. Das Piccolli war mit »Jah Culture Raggae« bestens aufgestellt. Die RIO-Band hatte die Besucher im Leib & Seele zum 3. Mal fest im Griff. »Weil hier die Betreiber so herzlich sind und immer super Stimmung ist, haben wir uns schon gefreut, wieder herzukommen«, sagte Sängerin Graziella Passarotto.

Die Gaststätte Föge war die ganze Nacht über bis in die letzte Ecke gefüllt. »Soundgruft« verstand es, für gute Stimmung zu sorgen. Die amerikanische Soulsängerin Brenda Starr strahlte große Präsenz aus. Rockig wurde es mit »Touch of Sound« im Bitter.

Die Band »Freezeland« konnte krankheitsbedingt nicht im New Orleans auftreten. Ersatz gab es in Form der Gruppe »Movin on«. Sie präsentierten Rockklassiker der vergangenen Jahrzehnte.

Die Kölnerin Dagmar Schilbert war bei ihrer Schwester zu Besuch und entdeckte eine neue Seite an der Stadt: »Ich hätte nicht gedacht, dass die Herforder so feiern können. Die Stimmung ist ausgesprochen ausgelassen.« Uwe John, Mitarbeiter vom Veranstalter Gastro Event, zeigte sich zufrieden: „Die Fluktuation war sehr gut. Die Besucher haben sich gleichmäßig verteilt und auch Lokale, die abseits lagen, waren gefüllt.«

Höxter (WB/dp/rob/mzh). Um das Weltkulturerbe Corvey zukunftsfähig zu gestalten, müssten alle Verantwortlichen eine »gemeinsame Vision« entwickeln, fordert Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Höxters Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) sieht da »personelle« Defizite.

Wie mehrfach berichtet, gibt es Reibungsverluste, was die kulturelle Bespielung des Weltkulturerbes angeht. Der alte Kulturkreis existiert nicht mehr – jetzt managt Viktor Herzog von Ratibor die Veranstaltungen. Das geschieht überhaupt nicht zur Zufriedenheit der lokalen und regionalen Politik . Die Teilnehmer eines Treffens der »Kontaktgruppe Welterbe Corvey« am Donnerstag zeigten sich sehr enttäuscht. »Wir sehen in der neuen Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH nicht genügend Potenzial, um Kultur und Tourismus so zu fördern, dass es einer Welterbestätte würdig ist«, sagte Fischer. »Dem Kulturkreis fehlen Fachkräfte – wir brauchen mehr Know-How.« Eine Anspielung unter anderem auf den vom Herzog ernannten Geschäftsführer Michael Funk – der ist Förster, kein Kulturmanager.

Auch das extrem ausgedünnte Programm für 2017 irritiert (wir berichteten). »Wir brauchen Ausstellungen, die Besucher anlocken«, sagte Fischer dem WESTFALEN-BLATT. Stefan Berens, CDU-Fraktionsvorsitzender im Höxteraner Rat, sagte: »Die Bürger von Höxter erwarten eine Dividende. Wir haben Corvey über Jahrzehnte bespielt, und dann wurden wir einfach hin­ausgedrängt.« SPD-Fraktionschef Werner Böhler fügte hinzu: »Ich bin immer noch sauer. Der Eigentümer sagt, Corvey sei Champions League. Warum wird es dann verwaltet wie ein Kreisligaverein? Alle Beteiligten sind hochgradig frustriert – diese Veranstaltung war eine Zumutung.«

Eine »Kontaktgruppe« aber, »die alles nur abnickt«, sei zu wenig. Es fehle eine Arbeitsgruppe mit effizienter Organisationsstruktur. »Vom LWL bis zur Bezirksregierung – alle wollen«, sagt Fischer. »Aber auch der Herzog muss es wollen.« Doch von einem Besu­cherzen­trum – vor der Unesco-Kommission seinerzeit ein starkes Argument für den Welterbetitel – ist keine Rede mehr, obwohl der Bund laut Fischer auf »deutliche Attraktivitätssteigerung« pocht. Es heißt nur noch vage »Willkommensbereich«. Anders die Kirche: Sie will eine Marketing-Strategie erarbeiten, die bereits Anfang April vorgestellt werden könnte.

In einem Statement der Bezirksregierung, Mitglied der »Kontaktgruppe«, für das WESTFALEN-BLATT ist die Unzufriedenheit zwischen den Zeilen herauszulesen. Nach dem jahrelangen Engagement von Politik und Bürgern sei es an der Zeit, »die Entwicklung der Welterbestätte vor­anzubringen«. Möglicherweise könne die Bezirksregierung »in die Rolle eines Fördergebers kommen«. Vor Ort wolle der Bürger »das Gefühl haben, an dieser Entwicklung beteiligt zu sein«.

Auch baulich muss Corvey einiges stemmen: Präsentation der Kaiserkirche mittels Multimediaschau, Renovierung des Raums mit seinen über 1000 Jahre alten Grafiken, Untersuchung der Statik im Westwerk, Erneuerung der Dächer von Schloss, Restaurant und Vorburg/Eingang, Sanierung von Gebälk, Gesimsen und Wesersandsteinplatten. Die Barockorgel ist ausgebaut und befindet sich zur Sanierung in Holland. 30 000 Euro der 4,5 Millionen Euro Bundeszuschuss gehen in die Bestandssicherung des Hotels »Dreizehnlinden« vor der Anlage.

Kreis Gütersloh (WB). Der Fachkräftemangel, die Energiekosten, die Rohstoffpreise, die Bürokratie, die großen Sorgen der Wirtschaft in den vergangenen Jahren, sie sind verblasst. Die Namen Trump, Erdogan, Putin lösen in Industrie, Handel und Dienstleistung im Kreis Gütersloh plötzlich ganz andere Ängste aus.

In der Frühjahrskonjunktur-Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) führen die 373 befragten Firmen mit 42 077 Beschäftigten mit einem Mal ganz andere Risiken an, die ihrer Ansicht nach ihren wirtschaftlichen Erfolg bedrohen: Bleibt die Auslandsnachfrage so hoch wie im vergangenen Jahr? Wie wird sich der Brexit auf den Freihandel auswirken, werden die protektionistischen Drohungen in der USA umgesetzt? Welche Auswirkungen hat das auf die Wechselkurse? Je stärker der Euro steigt, desto teurer werden die Produkte aus dem Kreis Gütersloh in der Welt.

Es sind Ängste vor einem Absturz aus höchstem Niveau. IHK-Vizepräsident Dr. Markus Miele und IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden verkündeten am Freitag Rekordzahlen. Das Verarbeitende Gewerbe hat noch nie 17,4 Milliarden Euro Gesamtumsatz in einem einzigen Jahr (2016) erzielt, im Kreis Gütersloh waren noch nie 166 160 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Auslandsumsätze lagen mit 7,1 Milliarden Euro noch nie so hoch wie jetzt. 96 Prozent der befragten Firmen beurteilen ihre Lage weiterhin als gut, 87 Prozent gehen von einer mindestens gleich bleibenden Geschäftslage aus.

Doch an einer Stelle lässt der Optimismus so langsam nach. Eine weitere Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten erwarten nur noch 22 Prozent der Unternehmen – im Herbst waren es noch 31 Prozent. Vor allem die Skepsis in den Industriebetrieben lässt den IHK-Konjunkturklimaindex von 138 auf 132 Punkte sinken; der Index verrechnet die Einschätzung der momentanen Lage und die Zukunftserwartungen. Im Großhandel und bei den Dienstleistern ist dieser Index dagegen gestiegen.

Wirtschaft ist auch nur menschlich – darum kann Dr. Markus Miele »eine gewisse Schizophrenie« in den Umfrageerbenissen nicht leugnen. Denn bei aller Sorge gehen mit 72,3 Prozent der Unternehmen genau so viele wie im Herbst davon aus, dass ihr Gesamtumsatz stabil bleibt. 34,4 Prozent werden ihr Personal halten, 52,5 Prozent wollen in den kommenden Monaten sogar noch mehr Menschen einstellen. 38,2 Prozent werden ihr Investitionsniveau halten, 41,1 Prozent wollen es sogar erhöhen.

Beide IHK-Vertreter betonen, dass die Unternehmen im Kreis Gütersloh keine Furcht vor einem konjunkturellen Einbruch haben sollen. Miele: »In der Krise von 2008/2009 sind Instrumente entwickelt worden, mit denen sich auch richtig schwere Zeiten durchstehen lassen.« Bei aller wirtschaftspolitischen Unsicherheit schritten Technologie und Innovation immer weiter voran.