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NEWS AUS OWL

Horn-Bad Meinberg (WB). Ruben Michael aus Horn-Bad Meinberg ist einer der jüngsten Opernregisseure Deutschlands. Jetzt arbeitet der 16-Jährige an seiner zweiten Aufführung. Nach Mozarts »Bastien und Bastienne« hat er sich Bernsteins »Trouble in Tahiti« vorgenommen.

Am 11. und 17. November wird es zwei Aufführungen in der Aula des Gymnasiums Leopoldinum in Detmold geben. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Ruben Michael schwärmt: »Bernsteins Oper ist super, sie wirkt wie der jüngere Bruder der ›West Side Story‹, und das Thema ist dem in ›Bastien und Bastienne‹ sehr ähnlich.«

Auch in »Trouble in Tahiti« streitet sich ein Paar. Dinah und Sam leben in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in einer amerikanischen Vorstadt nebeneinander her, Liebe ist Gleichgültigkeit gewichen. Sam ist froh, wenn er ins Büro gehen kann, seine Frau, wenn sie im Kino sitzt. Dort sieht sie den fiktiven Film »Trouble in Tahiti« mit glücklichen Hauptdarstellern.

Bernsteins Oper wurde im Juni 1952 in Waltham im US-Bundesstaat Massachusetts uraufgeführt. Neben dem Ehepaar steht ein Gesangstrio auf der Bühne, das das Lied von der amerikanischen Idylle mit blitzsauberen Häusern und schicken Autos anstimmt. Eine vermeintliche Idylle. »Meine Aufgabe ist es, den Kontrast zwischen dem deprimierten Ehepaar und dem Trio, das das schöne Leben besingt, szenisch umzusetzen«, erzählt Ruben Michael.

»Trouble in Tahiti« übe Kritik »am oberflächlichen Kapitalismus«, sei zeitlos aktuell und auf andere Länder übertragbar: »Wir gehen durch Detmold oder Bielefeld, sehen schöne Häuser und verbinden damit automatisch ein schönes Leben.« Aber hinter den blitzblanken Kulissen sehe es anders aus.

Dass die Besucher am 11. und 17. November deprimiert nach Hause gehen werden, ist aber äußerst unwahrscheinlich. Erstens sind die Werke von Leonard Bernstein (1918-1990) viel zu unterhaltsam und zweitens will Ruben Michael sein Publikum nicht belehren. »Bernstein macht Spaß, Langeweile ist ausgeschlossen«, verspricht er. Wurde »Bastien und Bastienne«, Mozarts Schäferspiel rund um Liebe und Eifersucht, im Oktober 2016 im kleinen Café Goth­land in Detmold gespielt, bietet die Aula des Gymnasiums fast 500 statt nur 89 Menschen Platz.

Den Ort hat Ruben Michael aber nicht deswegen ausgewählt, weil er unbedingt ein größeres Publikum erreichen möchte. »Für eine Schulaula ist sie technisch hervorragend ausgestattet«, begründet er seine Wahl. »Bei ›Bastien und Bastienne‹ konnte ich mit Technik nichts machen, ich hatte nur eine Einheitslichtstimmung«, erinnert er sich und freut sich über die größeren Möglichkeiten.

Nicht nur der Aufführungsort ist größer geworden, auch die Zahl der Mitwirkenden hat sich deutlich erhöht, und zwar von drei auf 14. Diesmal wird neben den fünf Darstellern auf der Bühne ein kleines Kammerorchester mit dabei sein, um das sich der musikalische Leiter Julian Wolf kümmert. Musiker und Sänger kommen von der Musikhochschule Detmold. »Sie ist zu meinem zweiten Zuhause geworden«, erzählt Ruben Michael, der dort bei zwei Stücken die Regieassistenz übernahm.

Worauf es dabei ankommt, wie eine Szene interessant wird und Figuren glaubwürdig wirken, erfuhr er intensiv vom 13. August bis 2. September in der Lotte-Lehmann-Sommerakademie im brandenburgischen Perleberg. Der Kontakt kam über den Regisseur Dirk Schmieding zustande, der zuvor in Detmold zwei Opern inszeniert hatte. Ruben Michael ist Dauergast der Aufführungen am Landestheater. Früher spielte er Opern mit Playmobilfiguren, die an Schaschlikspießen steckten, auf der von ihm selbst gebauten »Playmobil Opera Horn« nach.

In den Herbstferien will er jetzt mit den Darstellern intensiv für »Trouble in Tahiti« proben. Bei den Aufführungen verlangt er keinen Eintritt, obwohl für ihn selbst Kosten entstehen. Um die zu decken, hat der Elftklässler des Gymnasiums Horn-Bad Meinberg ein Crowdfundingkonto eingerichtet.

Bielefeld (WB/ef). Ex-Spitzenmanager Thomas Middelhoff ist im Jahr 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Zu Recht? Ein neuer Zeuge könnte das Verfahren neu aufrollen.

Den Großteil seiner dreijährigen Haftstrafe, die das Landgericht Essen im November 2014 verhängt hatte, hat der ehemalige Chef der mittlerweile längst insolventen Karstadt-Mutter Arcandor in der JVA Bielefeld abgesessen. Als Freigänger arbeitet Middelhoff in einer Einrichtung der Stiftung Bethel mit Behinderten.  Im November dieses Jahres kommt er möglicherweise auf freien Fuß .

In dem Prozess in Essen ging es um 485 000 Euro für eine Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner – auch Middelhoff war einst Konzernchef bei Bertelsmann – sowie für Privatflüge auf Unternehmenskosten von Arcandor. Das Gericht war von der Schuld Middelhoffs überzeugt, Middelhoff selbst jedoch sieht sich als ein Opfer der Justiz –  und kämpft auch als Buchautor immer noch um seinen Ruf .

Nun könnte der Fall eine neue Wendung nehmen. Denn noch immer läuft zum Fall Middelhoff ein Gerichtsverfahren, genauer gesagt ein Zivilverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm. Darin fordert der Arcandor-Insolvenzverwalter von Middelhoff und weiteren ehemaligen Vorständen angeblich zu viel gezahlte Boni und Abfindungen in Millionenhöhe zurück.

Middelhoff selbst ist im dem Zivilverfahren jedoch kein Beklagter, sondern Zeuge. Was daran liegt, dass er im März 2015 Privatinsolvenz angemeldet hatte. Im Strafverfahren wurde er ja bereits verurteilt.

Nach Informationen der »Welt am Sonntag« gibt es nun einen weiteren Zeugen, der Middelhoff entlasten soll. Hintergrund sei das sogenannte »Rotterdam-Papier« aus dem Jahr 2005. Darin hätten Quelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und weitere Geschäftspartner mit Middelhoff die Gründung einer Gesellschaft namens »Neos« vereinbart. Diese sollte Karstadt-Quelle übernehmen beziehungsweise sanieren – und Thomas Middelhoff sollte die Geschäftsführung übernehmen.

Für den Erfolgsfall seien Middelhoff nicht nur hohe Millionenvergütungen in Aussicht gestellt worden, sondern auch die Übernahme aller Kosten für: »Zwei Fahrzeuge; zwei Fahrer; Spesen; Bewirtungskosten im privaten Rahmen; Flugkosten für Privatflugzeuge«, berichtet die »Welt«.

Schickedanz hatte jedoch eine Zusage für die Übernahme privater Flüge bestritten. Zudem hat das Gericht das Papier wohl so bewertet, dass die Regelungen nur bei Gründung der neuen Gesellschaft gegolten hätten.

Nun gibt es aber offenbar eine Person, die bestätigen kann, dass Schickedanz in dem »Rotterdam-Papier« doch entsprechende Zusagen gemacht hat. Um wen es sich dabei handelt, berichtet das Blatt nicht. Nur soviel: Die Person sei bei einem vorangegangenen Gespräch zugegen gewesen, in dem die Großaktionärin ihren Geschäftsführer angewiesen haben soll, aus Gründen der Sicherheit jederzeit auf Privatflugzeuge zurückzugreifen. Anlass dafür war möglicherweise eine Bombendrohung während eines dienstlichen Fluges Middelhoffs mit einer Linienfluggesellschaft im Jahr 2004.

Ein Wiederaufnahmeverfahren wäre laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung nur möglich, weil Middelhoff wegen dieser Tat schon rechtskräftig verurteilt ist. Eine mögliche Haftentschädigung würde in die private Insolvenzmasse fließen.